Offenkundig, offenkantig — Die hellen Kanten des Hirschleders

Material

Offenkundig, offenkantig — Die hellen Kanten des Hirschleders

Erschienen im Gwandhaus Journal, Ausgabe 23, Herbst 2016. Lederverarbeitung — Neue Wege.

Raw Edge — offenkundig, offenkantig

Das feine Leder vom König der Berge erfährt durch eine besondere Verarbeitung eine moderne, außergewöhnliche Verwandlung.

300 Handarbeitsgänge zum Sämischleder

ÜBER 300 HANDARBEITSGÄNGE sind nötig, um aus der Haut vom Hirschen ein Sämischleder zu gerben. Diese Art der Gerbung ist schon seit 6000 v. Chr. bekannt und wird durch die Oxidation von Fischöl oder Tran erreicht.

Anders als bei chemisch durchgefärbter Industrieware bleiben so nicht nur die natürlichen farblichen Nuancen erhalten, sondern das Leder bleibt auch atmungsaktiv. Es entstehen eine gleichmäßige Oberfläche und eine samtweiche Innenseite dort, wo man den direkten Körperkontakt spürt.

EIN BESONDERES RITUAL ist auch das Einfärben des Leders mit pflanzlichen Farben, zum Beispiel mit Holzextrakten.

Offenkantig — die Naht als Statement

BEIM HIRSCHLEDER-DIRNDL werden die sämisch gegerbten Hirschleder-Schnittteile offenkantig auf den Leinenleib aufgesteppt. Durch das Aussparen der Nahtzugaben wirkt das Dirndl leicht und ist angenehm zu tragen.

FÜR DIE MÄNNER veredelt Gössl in der neuen Saison ein Sakko aus einer groben Wolle/Leinen-Mischung mit den offenkantigen Hirschleder-Applikationen.

Bildnachweis: Gössl-Archiv. Heft 23, Herbst 2016.

Patina von Beginn an

DIESE TECHNIK verleiht den prachtvollen Modellen von Beginn an eine herrliche Patina. Eine wunderbare Hommage an die wertvolle Haut vom König des Waldes.

Dieser Beitrag wurde wörtlich aus dem Gwandhaus Journal, Ausgabe 23 (Herbst 2016), übernommen. Bilder und Bildnachweise stammen aus der Originalausgabe. Das vollständige Heft als PDF finden Sie im Journal-Archiv.

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